Freiwilliger Nachhaltigkeitsbericht (VS) – Erfahrungen & Tipps aus einem Jahr Umsetzung

05.05.2026
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Mit der Verschiebung der regulatorischen Grenzen durch den Omnibus verändert sich auch die Rolle freiwilliger Nachhaltigkeitsberichterstattung: Sie steht nun deutlich mehr im Fokus, weil sich die Anzahl der Unternehmen, welche freiwillige Berichte veröffentlichen werden, vervielfacht hat. Der bisherige VSME (Voluntary Sustainability Reporting Standard for SME) wird zum VS (Voluntary Sustainability Reporting Standard), bleibt inhaltlich weitgehend schlank, gilt künftig aber für alle Unternehmen außerhalb des CSRD-Scopes bis 1.000 Beschäftigte. Gleichzeitig zeigt die Praxis: Gerade weil der Standard bewusst reduziert ist, gehen viele Unternehmen inhaltlich über ihn hinaus. 


Freiwillig – aber nicht beliebig

Freiwilliges Reporting ist heute selten nur ein formaler Standardprozess. Es geht darum, die richtigen Inhalte so auszuwählen, dass sie für Kund:innen, Finanzpartner, Mitarbeitende und weitere Stakeholder tatsächlich relevant sind. Der VS liefert dafür mit Basis- und Zusatzmodul eine handhabbare Struktur. In der Praxis wird der Bericht aber häufig ergänzt – etwa um branchenspezifische Kennzahlen, Lieferkettenthemen, EcoVadis-Anforderungen, Wirkungsinformationen, Leuchtturmprojekte oder produktbezogene Nachweise. So entsteht aus einem Standardbericht ein Bericht, der wirklich zum Unternehmen passt. Ein guter Nachhaltigkeitsbericht dokumentiert nicht nur Datenpunkte, sondern macht auch Zusammenhänge verständlich, Leistungen sichtbar und strategische Entwicklungen greifbar.


Wesentlichkeit als strategischer Kompass

Auch ohne formale Pflicht bleibt die doppelte Wesentlichkeitsanalyse ein entscheidender Hebel. Sie hilft nicht nur dabei, Berichtsinhalte sinnvoll zu priorisieren, sondern schafft vor allem die Grundlage für eine belastbare Nachhaltigkeitsstrategie. Die Frage ist also nicht nur, was berichtet werden kann, sondern was für das Unternehmen wirklich wesentlich ist – mit Blick auf Auswirkungen, Risiken und Chancen. Genau in dieser Verbindung aus Wesentlichkeitsanalyse, Strategie und Reporting liegt der eigentliche Mehrwert freiwilliger Berichterstattung. 


Ein guter Bericht endet nicht beim PDF

Ein Bericht entfaltet seinen Wert erst dann voll, wenn seine Inhalte auch genutzt werden – auf der Website, in Social Media, im Vertrieb, im Recruiting oder im Austausch mit Finanzpartnern. Freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung ist deshalb nicht nur Reporting, sondern auch Übersetzungsarbeit: von der Datensammlung über die Struktur und Gestaltung bis hin zur wirksamen Kommunikation nach außen.


Fazit

Der VS ist idealerweise kein Minimalprogramm, das man einfach abhakt, sondern ein Ausgangspunkt. Wer freiwillig berichtet, sollte den Standard als Struktur nutzen – und ihn dort ergänzen, wo Branche, Geschäftsmodell und Stakeholder es erfordern. So wird aus freiwilliger Berichterstattung keine Pflichtübung, sondern ein Instrument für Orientierung, Vergleichbarkeit und glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation.


Autoren

Marcel Sydow & Marius Hasenheit